Mi

05

Aug

2009

Deichbau, 56564 Neuwied

Wenn in Neuwied nicht der Deich gebaut worden wäre, stände mir das Wasser in meinem Laden nicht nur bis zum Hals :-)

 

War schon interessant zu erfahren, das ein früherer Nebenarm des Rheins direkt vor meinem Laden vorbei lief, die sehr schweren Hochwasser der Jahre 1920 & 1924, hätten mein Geschäft komplett überflutet, das Wasser stand damals 4 Meter hoch in der Langendorferstr.

 

In den Jahren 1925-26 begannen die Planungen für den Deichbau, fertig gestellt war er im Jahre 1931. Veranlasst und durchgesetzt, hat dies der damalige Bürgermeister Robert Krups, nachdem die Neuwieder eingesehen hatten, was für ein Segen dies für die Stadt Neuwied, trotz der ganzen Mühen und der schweren Arbeit, ist. Haben die Neuwieder ihm Oben auf dem Deich ein Denkmal gesetzt.

 

Im 18. Jahrhundert hatte man noch versucht, das Wasser des Rheins durch sogenannte “Baumgardinen” und Barrikaden aufzuhalten. Doch diese Barrieren überstanden nicht einmal den Eisgang des Rheins, geschweige denn ein Hochwasser. Im 19. Jahrhundert errichtete man Erddammbauten, die zwar Eisdrift und die rückwärtige Hochwasserflut abhielten, nicht aber die Überschwemmungen vom Hauptstrombett und von der Wied her.

 

Weitere interessante Details habe ich mit Genehmigung eingestellt und Fotos der Hochwasser dazugestellt:

Ausschlaggebend für den Beginn des Deichbaus waren schließlich drei für die Altstadt und ihr Geschäftszentrum folgenschwere Hochwasser in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Bürgermeister Krups setzte sich nachhaltig dafür ein, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln der Technik einen Hochwasserschutzdeich zu bauen, der die Stadt künftig vor ähnlichen Katastrophen schützen sollte. In einer Broschüre aus dem Jahr 1927, die Aufklärung über die Schäden des Hochwassers vermitteln und gleichzeitig um Verständnis für den geplanten und mit hohen Kosten verbundenen Deichbau werben sollte, heißt es: “Es ist beabsichtigt, die gesamten Arbeiten, soweit anhängig, als Notstandsarbeiten durchzuführen, so daß die Erwerbslosen der Stadt Neuwied bei den Bauten beschäftigt werden. Insgesamt sind 220.000 Tagewerke errechnet worden. Die Baukostenbeträge sind auf 5 Millionen Reichsmark veranschlagt.” Die tatsächliche Kosten betrugen fast 8 Millionen Reichsmark, das entspricht, umgerechnet auf unsere heutige Währung, dem Betrag von etwa 70 Millionen DM (oder 37 Millionen Euro).

 

Auf 7,5 Kilometern Länge wurde der Schutzdamm errichtet, zum Teil als stabile Aufschüttung eines Erdwalls, vor dem Stadtzentrum als hohe Quadermauer.

Betrachtet man heute das Bauwerk, das nach Meinung mancher Neuwieder die Rheinansicht der Stadt nicht gerade verschönert,(Dies kann man ohne weiteres so sagen, aber was will man, den größten Teil der Innenstadt überfuten oder im Schutz des Dammes leben. Der Damm ist mir lieber :-), kann man sich nur bruchstückweise vorstellen, welchen Aufwand der Bau des Deiches vor 75 Jahren erforderte: Insgesamt 2450 Arbeiter gingen hier ans Werk. Alle Bäume am gesamten Rheinufer mussten gefällt werden, eine Gaststätte und sieben Häuser standen dem Deich “im Weg”. Sie wurden gesprengt und abgerissen.

Riesige Mengen Tonerde, Lehm, Kies, Steine, Beton, Zement und Eisen karrte man zur Baustelle. Am Deichbau beteiligt waren 25 Bau- und 90 Lieferfirmen. Drei Jahre lang dauerten die Arbeiten. Im Oktober 1931 war das Bauwerk fertig - ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Entwicklung der “Stadt an Rhein und Wied”. Seit dieser Zeit führt Neuwied auch den Beinamen “Deichstadt”, und die Deichanlage mit ihrem Pegelturm ist neben der für die Expansion der Stadt ebenso wichtigen Rheinbrücke längst zum Wahrzeichen geworden. Doch die Deichmauer ist mit etwa 500 Metern Länge nur ein kleines Bruchstück der gesamten Anlage, die in Engers an der Kronprinzenbrücke beginnt und oberhalb der Firma Rasselstein in der Gemarkung Nodhausen an der Wied endet. Der größte Teil des Deiches besteht aus einem Erdwall mit Tonkern.

 

Der Stadt Neuwied, ihren Bürgern und den Geschäftsleuten in der Innenstadt ist durch den Schutz des Deiches seit seiner Fertigstellung laut einer groben Schätzung ein wirtschaftlicher Schaden von über 1,5 Milliarden DM erspart geblieben.

 

Technisch ist der Deich auch heute noch ein “kleines Wunder”. Insgesamt neun Tore werden bei einem Pegelstand von sechs Metern nacheinander nach festem Einsatzplan geschlossen und halten so die Fluten zurück. Pumpwerke in der Anlage leiten auch bei Hochwasser Regenfluten und Abwasser in den Rhein ab und schützen die Stadt vor Überschwemmung. Die breite Promenade auf der Deichmauer ist dann beliebter “Ausflugsort” für viele Schaulustige. Auf der einen Seite der Mauer die schmutzig-braunen Rheinfluten, auf der anderen Seite trockene Straßen: Dieser Anblick bietet sich sonst nirgendwo am Mittelrhein!

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